Weshalb Loben & Belohnen deinem Kind schadet und wie du es anders machen kannst

VON DORIS GANTENBEIN AM 01.12.2019

Zahlreiche Bücher und Artikel raten, das Strafen zu unterlassen und stattdessen das Kind zu loben und zu belohnen. Dies sei motivierend und aufbauend. Doch stimmt das auch wirklich?  

Um es gleich vorwegzunehmen: Nein!  

Loben und Belohnungen schränken die Bedingungslosigkeit der Liebe ein und haben genau so verheerende Auswirkungen wie das Bestrafen. Dadurch, dass sie subtiler geschehen und auf eine Art und Weise, die nichts Schlechtes daran ahnen lässt, scheinen sie harmlos.  

Das Prinzip ist jedoch einfach: Anstelle dein Kind zu strafen, wenn es sich nicht so verhält wie du es gerne möchtest, wird es stattdessen gelobt und /oder belohnt, sobald es sich so verhält, wie es dir gefällt. Beides sind Konzepte, um das Verhalten deines Kindes zu beeinflussen.  

Arno Gruen betrachtet Lob und Belohnung als eine als Großzügigkeit und Güte bemäntelte Form der Gewalt, in welcher man dem Kind zeige, dass es nur geliebt werde, wenn es gehorche und den Erwartungen entspreche.   

Mit einem Lob erhält dein Kind die scheinbar positive Botschaft: Es gefällt mir, was du tust, mach bitte weiter so.  

Du musst nämlich wissen: Loben ist nichts anderes als eine Konditionierung, welche die Anpassung fördert und zu Fremdbestimmung führt.  

Jesper Juul bringt es auf den Punkt: „Wenn man ein Kind will, das einfach nur funktioniert, ohne nachzudenken, ist Lob eine praktische Sache.” Es kann gar soweit führen, dass manche Menschen lebenslang versuchen, immer den Ansprüchen anderer zu genügen, nur um sich angenommen zu fühlen. 

Lob macht süchtig 

Zudem kann ein Lob richtiggehend süchtig machen. Dabei geschieht Folgendes: Die Nervenzellen im Belohnungszentrum des Gehirns schütten nach einem Lob das Glückshormon Dopamin aus, welches für Entspannung und Glücksgefühle sorgen soll.  

Lobst du dein Kind häufig, so dauert es in der Regel nicht lange und du bekommst ständig die Frage zu hören: «Habe ich das gut gemacht?» 

Dein Kind durchblickt schnell, was genau zu tun ist, um ein Lob oder eine Belohnung zu bekommen.  

Du fragst dich nun sicherlich: Ist es denn nicht sinnvoll, dem Kind gewisse Werte beizubringen, wie etwa Hilfsbereitschaft, Teilen, fleißig sein, usw.?  

Leider passiert in Wirklichkeit das Umgekehrte. Die gut gemeinte Art der Motivation durch Loben erzeugt genau den gegenteiligen Effekt.  

Das Problem liegt in der Verknüpfung der Handlung mit dem Lob. Du läufst Gefahr, dein Kind zu dressieren, nur für Lob und Belohnung etwas zu leisten.  

Ein Kind, welches dauernd dafür gelobt wurde zu helfen, wird nachweislich weniger helfen, sobald keine Belohnung mehr zu erwarten ist. Erreicht wird demzufolge das Gegenteil dessen, was die ursprüngliche Absicht war.  

Je mehr Lob und Belohnung du anwendest, desto mehr wird dein Kind den Eindruck haben, etwas leisten zu müssen, um deine Liebe zu erhalten. Diese Liebe ist jedoch nicht bedingungslos. Sie ist an die Handlung des Kindes geknüpft.  

Und sie ist gar eine Art Erpressung im Sinne von: Wenn du dich so verhältst, wie es mir gefällt, dann lobe und belohne ich dich. Ist das Kind erst mal an das Loben und Belohnen gewöhnt, so kann ein Nicht-Lob bereits eine Bestrafung sein.

Was kannst du anders machen? 

Vielleicht bist du der Ansicht, dein Kind brauche das Lob, schließlich komme es ja immer danach fragen. Zudem sei es ohne Aussicht auf Belohnung nicht motiviert, etwas Bestimmtes zu tun. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Vielmehr ist das Verlangen nach Lob und Belohnung das Resultat erfolgreicher Dressur.  

Ruft dein Kind: ‘Schau mal Mama/Papa!’, so will es kein ‘toll gemacht‘ hören, sondern es will von dir gesehen und wahrgenommen werden.  

Du denkst nun: «Wenn ich mein Kind nicht lobe, meint es, ich bin nicht interessiert an ihm!» 

Ich kann dir versichern: Das Gegenteil ist der Fall. Es geht nicht darum, dein Kind und seine Aktivitäten zu ignorieren, sondern darum, wahrzunehmen ohne zu bewerten. Natürlich darfst du begeistert sein und dich mit dem Kind freuen.  

Ehrliche, von Herzen kommende Freude oder Anerkennung, ein echter Ausdruck der Begeisterung, Mitfreuen, Wahrnehmen, eine persönliche Rückmeldung, ein Dankeschön oder eine Wertschätzung sollen unbedingt immer ausgedrückt werden, denn sie sind jenseits von Erwartungen.  

Lob und Anerkennung liegen sehr eng beieinander. Das was die beiden voneinander unterscheidet, ist der Grad der Wertung.  

Unterlässt du das Loben und Belohnen, so wird dein Kind von innen heraus handeln und sich unabhängig von seinen Leistungen angenommen und geliebt fühlen und dies auch, wenn es keine super Leistung vollbringt.  

Von den Müttern und Vätern in meinen Coachings bekomme ich immer wieder zu hören, wie sie das Nicht-Loben zu Beginn als eine Art Fremdsprache erleben, die sie nun am Lernen sind. Deshalb möchte ich dich ermuntern, mit dir selbst geduldig zu sein. Du wirst sehen, es wird dir von Tag zu Tag besser gelingen, dein Kind zu anerkennen anstatt zu loben.  

Idealerweise umgibst du dich so oft wie möglich mit Leuten, welche ihr Kind ebenso wie du nicht loben wollen und ihr könnt euch gegenseitig bereichern.  

Wenn du noch alleine bist, komm einfach in die Elternkunst Younity. Hier findest du viele Gleichgesinnte, die wie du auch auf dem Weg sind, die sich gerne inspirieren lassen, die mit mir zusammen jeden Monat in neue Themen eintauchen und dich gerne mit ihren ihren Tipps, Erfahrungen und Fragen bereichern.  

Fühl dich HERZlichst umarmt, deine Doris  

Möchtest du Eltern effektiv unterstützen und dir damit gleichzeitig eine finanziell erfolgreiche Selbständigkeit aufbauen? Dann lass dich zum Elternkunst-Coach ausbilden!

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.